Gewandung, Accessoires & Unterbau

Tageschronologie, Galanteriewaren & die unsichtbare Architektur der Silhouette

Silhouette von Jane Austen

Gewandungsregeln & Tageschronologie

Vom morgendlichen Négligé bis zur großen Ball-Parure

Die Garderobe der eleganten Welt zwischen Paris und London unterlag einem unerbittlichen chronologischen Gesetz, das bis zu vier vollständige Kleiderwechsel am Tag erzwang: vom ausnahmslos weißen, hochgeschlossenen Baumwoll-Négligé des Morgens über das Walking Dress mit Spencer und Schutenhut (Capote) zum Gabelfrühstück bis hin zur Demi-Parure mit Kaschmirschal für die Nachmittagspromenade. Mit dem Glockenschlag zum Dîner und für den Whisttisch übernahm die Parure aus schwereren Seidenstoffen mit freiem Dekolleté, Toque oder Turban die Herrschaft, bevor im Ballsaal das schlepplose, knöchelfreie Costume de Bal über glänzendem Satin Slip für die Dame im bloßen Haar (en cheveux) und das strenge Evening Full Dress mit Kniebundhose (Culotte), weißen Seidenstrümpfen und degenlosem Tuchfrack für den Herrn zur Pflicht wurden – scharf getrennt von der zeremoniellen Hofgalatracht (Costume de Cour) und dem seidenen Domino des Maskenballs.


I. Das Uhrwerk der Eleganz


II. Das weiße Gesetz des Morgens


III. Schutenhut, Spencer und Gabelfrühstück


IV. Kutschenvisite und Glanz des Nachmittags


V. Das Missverständnis der Tea Time


VI. Der Glockenschlag zum Abendkleid


VII. Kerzenschein am grünen Spieltisch


VIII. Die Architektur der Schwerelosigkeit


IX. Vor dem Thron zu jeder Stunde


X. Die schwarze Seide der Intrige


XI. Die Toilette des Geheimnisses


XII. Das Trugbild des schwarzen Operncapes


Silhouette von Jane Austen

Accessoires, Schmuck & Galanteriewaren

Réticule, Cravate, Brisé-Fächer & das Souvenir d’Amitié

Als die schmale Säulenlinie des Musselinkleides und der hautenge Herrenfrack keine ausbuchtenden Innentaschen mehr duldeten, wanderten die persönlichen Begleitgegenstände als kunstvolle Galanteriewaren nach außen: Damen führten das seidene Réticule (spöttisch Ridicule) am Handgelenk, drapierten indische Kaschmirschals über die Schultern, schützten sich im Winter mit gewaltigen Pelzmuffen und kühlten sich im Ballsaal mit geschrumpften Brisé-Fächern aus durchbrochenem Horn oder gedruckten Country-Dance-Fächern. Da das papierne Ballbüchlein erst Jahrzehnte später erfunden wurde, notierte man Tänzer auf den abwaschbaren Elfenbeinblättchen des Souvenir d’Amitié, während auf dem weißen Kleid farbige Kameen, rote Mittelmeerkoralle und geschliffener Stahl (Cut Steel) leuchteten und der Herr hinter seiner skulptural gebundenen weißen Cravate, dem flachen Chapeau bras unter dem Arm und den klingenden Uhrpetschaften (Fob Seals) am Hosenbund seine Distinktion bewies.


I. Vom Verborgenen an das Handgelenk


II. Wärmende Plastik und antiker Faltenwurf


III. Architektur am Hals und unter dem Arm


IV. Die geschrumpfte Brise


V. Elfenbeinblättchen statt Papierheft


VI. Klingende Siegel und zweigeteilte Münzen


VII. Erste Hilfe gegen Vapeurs und Miasmen


VIII. Die Choreografie der Promenade


IX. Farbige Plastik auf weißem Grund


X. Tabak, Funken und verborgener Stahl


Silhouette von Jane Austen

Unterwäsche, Weißware & Unterbau

Chemise, gekordelte Stays, Bodiced Petticoats & Glacéhandschuhe

Entgegen der modernen Legende vom ungeschnürten Naturkörper ruhte das hochtaillierte Kleid zwischen 1795 und 1825 auf einem präzisen architektonischen Fundament: Über der schmal geschnittenen Leinen- oder Baumwoll-Chemise hoben kurze oder hüftlange Schnürleiber (Short Stays und Long Stays) mit eingesetzten Brustkeilen (Bust Gussets) die Büste an und teilten sie durch ein zentrales Blankscheit (Busk) aus Holz oder Walbarte in zwei Hemisphären, während auch Dandys zu Schnürgürteln und Wadenpolstern griffen. Damit kein schwerer Bund auf den Rippen einschnürte, hingen die Unterröcke an angesetzten Leibchen (Bodiced Petticoats) von den Schultern herab, gestützt von einer schmalen Rückenrolle (Small Pad) unter der hohen Taillennaht. Sichtbare Weißware wie Chemisette, Fichu, Canezou und abnehmbare Unterärmel verwandelte das Kleid im Tageslauf, während querelastisch gewirkte Zwickelstrümpfe und ellenbogenlange weiße Glacéhandschuhe über Drahtspiralen oder schmale Tunnelzüge ganz ohne modernen Gummi fixiert wurden.


I. Die zweite Haut der Epoche


II. Die Architektur der hohen Büste


III. Die geglättete Säule


IV. Schwerelosigkeit von den Schultern


V. Die geheime Plastik der Antike


VI. Die Frage der Beinkleider


VII. Verborgene Schätze unter dem Kleid


VIII. Die Kunst der sichtbaren Weißware


IX. Maschenwerk und Drahtspiralen


X. Glacéleder, Tunnelzug und Venenstau



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